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Bei
der Ableitung des Urins aus der
Harnblase über einen transurethralen
Dauerkatheter sind sorgfältige
pflegerische Maßnahmen erforderlich.
Im
Rahmen der täglichen Hygiene
sollen die Genital- und Dammregion
mit Wasser und einer neutralen Seifenlösung
gereinigt werden. Bei Männern
ist besonders auf die sorgfältige
Reinigung des Präputialsackes
zu achten, bei Frauen auf die Region
zwischen den Labien.
Auch der äußere Katheteranteil
soll mit Wasser und Seifenlösung
gereinigt werden. Besonders an der
Katheteraustrittsstelle aus der
Harnröhre setzen sich Krusten
und Sekret an, die entfernt werden
müssen. Beim Mann kann man
dazu den Penis bei festgehaltenem
Katheter etwas zurückziehen,
um so besser an die "kritische"
Stelle am Katheter zu gelangen.
Zur Reinigung kann auch Wasserstoff-Superoxid
3% verwendet werden. Wegen der Schleimhautreizung
auf keinen Fall alkoholhaltige Desinfektionsmittel
verwenden!
Bei starker Sekretion aus der Harnröhre
neben dem Katheter kann eine sterile,
trockene Kompresse um den Katheter
gewickelt und mit Pflaster fixiert
werden. Die Verschmutzung von Leib-
oder Bettwäsche wird so verhindert.
Patienten, die dazu in der Lage
sind, sollten durchaus angeleitet
werden, die täglichen Hygienemaßnahmen
selbst durchzuführen.
Mit einem transurethralen Katheter
kann man duschen und baden! Viele
Patienten haben Angst davor, sie
sollten entsprechend aufgeklärt
werden.
Der Katheter bildet mit dem Auffangsystem
(Bett- oder Beinbeutel) ein geschlossenes
System mit Ablassvorrichtung. Eine
Tropfkammer und ein Klappenventil
verhindern den Urinrückfluss.
Ein solches geschlossenes System
dient der Minderung von aufsteigenden
Harnwegsinfektionen. Die Verbindung
zwischen Katheter und Ablaufschlauch
sollte so selten wie möglich
geöffnet werden. Muss sie geöffnet
werden, dann nur unter sterilen
Bedingungen (Händedesinfektion,
Handschuhe, Sprühdesinfektion
des Schlauchkonus vor Wiedereinstecken).
Trotz des Rückschlagventils
ist darauf zu achten, dass sich
der Urinbeutel stets unterhalb des
Blasenniveaus befindet.
Viele Katheterträger bevorzugen
einen Stöpsel an Stelle des
Urinbeutels. Dafür sollte heute
ein Stöpsel mit Ventilmechanismus
verwendet werden (z.B. Stäubli-Einhandventil),
da dies wesentlich hygienischer
ist. Da der Stöpsel im Katheter
verbleibt, kann er beim Ablassen
des Urins auch nicht verloren gehen.
Bei einem Wechsel des Katheters
sollte auch der Stöpsel gegen
einen sterilisierten gewechselt
werden. Sinnvollerweise rezeptiert
man dem Patienten daher zwei Stöpsel.
In welchen Abständen soll ein
transurethraler Dauerkatheter gewechselt
werden?
Die
Liegedauer eines Blasenkatheters
hängt einerseits von den Materialeigenschaften
des Katheters, andererseits von
patientenabhängigen Faktoren
wie Urinausscheidung, Verkrustungsneigung,
Infektion und Verschmutzung ab.
Als Richtwert für die Liegedauer
eines Silikonkatheters werden drei
Wochen angegeben. Man muss sich
jedoch nicht starr daran halten,
Dauerkatheter sollten heute nicht
mehr routinemäßig in
festen Abständen gewechselt
werden. Die Länge der Wechselintervalle
unterliegt vor allem patientenabhängigen
Schwankungen. Ein Katheter muss
nicht gewechselt werden, solange
der Urin klar ist, frei abfließt
und keine Hinweise auf Verkrustungen
bestehen, solange keine symptomatischen
Infektionen vorliegen und solange
der Patient beschwerdefrei ist.
Bei sorgfältiger Beobachtung
wird der Arzt nach kurzer Zeit für
jeden Patienten die optimalen Katheterwechselintervalle
festlegen können.
Was kann man tun, um Komplikationen
zu verhindern und die Wechselintervalle
zu verlängern?
Die
wichtigste Maßnahme ist die
Harnverdünnung durch Steigerung
der Trinkmenge auf zwei bis drei
Liter pro Tag. Eine objektive Kontrolle
ist die Bestimmung des spezifischen
Gewichts des Urins, das unter 1015
liegen soll. Besonders ältere
Patienten müssen immer wieder
zum Trinken angehalten werden. Durch
den resultierenden Spüleffekt
("innere Spülung")
und die Verdünnung des Urins
kommt es zu einer Verminderung der
Keime und der Verkrustungen.
Blasenspülungen von außen
sollten nur in Ausnahmefällen
durchgeführt werden. Sie begünstigen
die Entstehung von Harnwegsinfektionen.
Eine Keimreduktion bei vorhandener
Infektion kann dadurch nicht erreicht
werden, auch nicht durch Spülungen
mit Antibiotikazusatz. Lediglich
bei schweren Pilzinfektionen kann
das Einbringen pilzabtötender
Substanzen in die Harnblase indiziert
sein.
Bei Infektionen wird der Urin sehr
oft alkalisch, was das Entstehen
von Verkrustungen begünstigt.
Das Ansäuern des Urins (z.B.
durch Einnahme von L-Methionin)
auf einen pH-Wert von 5,8 bis 6,2
ist eine wirksame Gegenmaßnahme.
Der alleinige Nachweis von Bakterien
im Urin bei Beschwerdefreiheit des
Patienten rechtfertigt weder die
Anlage einer Kultur und Resistenzbestimmung,
noch die Gabe von Antibioitika!
Antibiotika sollten beim Dauerkatheterpatienten
nur eingesetzt werden, wenn eine
symptomatische Harnwegsinfektion
vorliegt. Bei asymptomatischen Infektionen
ist nur in Ausnahmefällen wie
etwa einer bevorstehenden Herzklappenoperation
oder bei Risikopatienten mit medikamentös
oder durch Krankheit geschwächtem
Immunsystem eine gezielte Antibiotikatherapie
gerechtfertigt.
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